Designtheorie | Interview mit Prof. Carlos Alberto Decotelli über seine Forschungsaktivitäten
18350
post-template-default,single,single-post,postid-18350,single-format-standard,ajax_updown,page_not_loaded,,qode-theme-ver-5.3,wpb-js-composer js-comp-ver-5.0.1,vc_responsive

Interview mit Prof. Carlos Alberto Decotelli über seine Forschungsaktivitäten

03 Jan Interview mit Prof. Carlos Alberto Decotelli über seine Forschungsaktivitäten

1. Wie war Ihr erster Eindruck einer deutschen Universität?
Einhergehend mit der Frage nach dem gesellschaftlichen Nutzen von Design verbindet die Universität Wuppertal wissenschaftliches Arbeiten mit praktischer Umsetzung.

2. Das Thema Ihrer Forschungsarbeit ist das Design von Landmaschinen und deren Nachhaltigkeit, können Sie uns Ihre Forschungsfragen etwas genauer erläutern?
Nachhaltigkeit und Industrial Design sind strategische und ökonomische Wettbewerbsfaktoren. Die ästhetischen Kriterien und die Funktionalitäten von Landmaschinen werden zudem untersucht. Die Erkenntnisse sollen angesichts einer zunehmenden Automatisierung und Technisierung auf das brasilianische Agro-Business übertragen werden.

3. Wie sind Sie vorgegangen?
An meiner brasilianischen Universität, der Fundação Getulio Vargas (FGV), arbeite ich als Lehrer und Koordinator und habe als Autor das Buch „Risk Management in Agribusiness“ verfasst. Ich bin in Projekte der Automatisierung von Landmaschinen für die Nahrungsmittelproduktion eingebunden. Industrial Design und Nachhaltigkeit als Entwicklungsfaktoren von Landmaschinen sind große Herausforderungen, denn beides muss sowohl in der akademischen Forschung als auch im Curriculum des Studiums verbessert werden.

4. Es gibt Unterschiede in den Forschungseinrichtungen in Deutschland und Brasilien – welche sind Ihnen aufgefallen?
In Deutschland werden Unternehmen stark in die Forschung mit einbezogen, Forschungsgelder werden mittel- und langfristig vergeben und sie sind besser verfügbar, Forschungsergebnisse werden besser verbreitet und kommuniziert. In Brasilien findet Forschung im Auftrag von öffentlichen Einrichtungen und Behörden statt, Budgets unterliegen politischen Anweisungen und die Forschungsergebnisse verbleiben im akademischen Umfeld. In Deutschland werden Forschungsergebnisse nicht durch Arbeitsstreiks boykottiert, in Brasilien hingegen schon.

5. Sie haben das deutsche Familienunternehmen Krone untersucht. Das Unternehmen schreibt auf seiner Homepage, dass sie „innovative und qualitativ hochwertige Produkte, die kontinuierlich entsprechend der Kundenanforderungen weiter entwickelt werden“ fertigen. Konnten Sie überprüfen, ob dieses Versprechen auch umgesetzt wird?
Die Rentabilität und die Qualität der Landmaschinen von Krone sind sehr angesehen in der Ingenieurszene.

6. Sie haben auch mit Krone in Brasilien gearbeitet. Wo liegen die kulturellen Unterschiede?
Krone ist seit 2012 durch einen Importeur auf dem brasilianischen Markt vertreten. Es gibt keine Produktionsstätte in Brasilien, alle Aktivitäten werden vom Headquarter in Spelle, Deutschland, aus geleitet.

7. Wie wichtig ist Nachhaltigkeit aus Ihrer Sicht in brasilianischen Unternehmen?
Die Befragung von 300 brasilianischen Unternehmen hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit noch nicht in die brasilianischen Unternehmensstrategien eingebunden ist.

8. Bitte erklären Sie uns, was Sie über Interdisziplinarität, Transdisziplinarität und Querschnittsgestaltung in diesem Feld gelernt haben?
Die Ziele der Wirtschaft sind auf Rentabilität und Profit ausgerichtet. Interdisziplinäre Arbeit ist wichtig, um soziale und wirtschaftlichen Aspekte miteinander zu verknüpfen. Die Transdisziplinarität verspricht Einsichten in neue Werte, technologische Innovationen und neue Trends der globalen Leistungsgesellschaft.

9. Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit zurück nach Brasilien?
Mein Forschungstätigkeit hat mir gezeigt, dass sowohl die Themen Nachhaltigkeit als auch Industrial Design als strategische Instrumente der Unternehmensführung bislang zu wenig beachtet werden. Diese Erkenntnis soll sowohl die Studierenden als auch die Forschungscommunity (FGV Agribusiness) davon überzeugen, die Integration von Nachhaltigkeit und Industrial Design in das strategische Management zu stärken, um brasilianische Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen.

Prof. Carlos Alberto Decotelli war im Jahr 2016 mehrere Monate als PostDoc an der Bergische Universität Wuppertal, Fakultät für Design und Kunst – Abteilung Industrial Design, Lehrstuhl Designtheorie, Schwerpunkt: Methodik, Planung, Strategie bei Prof. Dr. Brigitte Wolf. Das Interview mit ihm führte Dipl. Des. Anne Kurth, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr. Brigitte Wolf.